Meine Auszeit im Sommer 2016 – Vorbereitung: „Tierhaltungskurs für Alppersonal“

Für dieses Jahr, Sommer 2016, habe ich mir vorgenommen, mir endlich meinen lang ersehnten Traum zu erfüllen, und für meinen Wunsch, uns einmal selbst versorgen zu können, etwas zu lernen. Nachdem ich 2014/15 bei Josef Holzer am Krameterhof die Ausbildung zum „Holzer-Permakultur-Praktiker“ gemacht habe, hatte ich den Wunsch weiterzumachen……

Zwei Ereignisse haben mich, bezüglich dem Wunsch, im Sommer auf einer Alm mitzuhelfen, sehr geprägt: Als Kind war ich (leider nur 1x) mit meinen Eltern über´s Wochenende auf einer Hütte im Allgäu. Das ist mir bis heute als etwas ganz Besonderes in Erinnerung, obwohl wir dort nichts Außergewöhnliches erlebt haben……das andere waren 5 Tage im Sommer 2003 mit 2 Freunden auf einer kleinen Bauern-Hütte in der Steiermark bei Bad Ausee. Diese Hütte war vielleicht 3x6m groß, unterteilt in Wohnraum und Schlafraum. Liebevoll ausgestattet mit kleiner Eckbank, Holzofen, Schrank und Stockbetten. Es gab vor der Hütte nur einen Brunnentrog, keinen Strom, keinen Handy-Empfang und ein paar Meter weiter nur ein Plumpsklo. Diese 5 Tage waren für mich sehr faszinierend, weil es so einfach war……

So habe ich mit meinem Mann, meiner Familie und meiner Arbeitgeberin gesprochen, ob sie damit einverstanden sind, wenn ich mich für längstens 5 Monate ausklinke. Das OK hatte ich von allen (sehr netter Weise!) bekommen.

Der Kursbeginn

Da mir noch die Erfahrung mit Rindern (auch Ziegen und Schafen) fehlte, wurde mir empfohlen, den „Tierhaltungskurs für Alppersonal“ in Kempten an der LfL (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft) zu absolvieren.
Dieser Lehrgang ist für Menschen, die sich eine Auszeit nehmen wollen, um auf einer Alm/Alp mitzuhelfen. Er vermittelt landwirtschaftliches Grundwissen und bereitet sie durch Fachunterricht und praktische Übungen auf die Arbeit auf der Alp vor. Dauer: Montag bis Freitag, mit straffem Stundenplan.

Wir waren 18 Teilnehmer; 8 Männer, 10 Frauen, davon 2 Paare; die Jüngste war ca. Mitte 20, der überwiegende Teil 40 und älter. Ein sehr interessanter, bunt gemischter Haufen aus den verschiedensten Berufen wie Zahnarzthelferin, Soldat, Handwerker, Studentin, Mediengestalter, und sonstigen „Schreibtischlern“. Das Besondere war, dass wir alle relativ schnell eine bemerkenswert nette Gemeinschaft bildeten, was uns erst am Ende des Lehrgangs so richtig auffiel…….

Das Melken und der Stalldienst

Der Unterricht begann mit der theoretischen Einführung ins Maschinenmelken, danach ging´s an die Praxis……zuerst, Gott sei Dank, an´s Gummi-Euter. Denn auch beim Maschinenmelken braucht man das Handmelken! Wir drehten, zerrten und quetschten also diesen Euter-Dummy, und es war für die Meisten von uns kein Leichtes, da etwas raus zu bekommen. Anschließend ging es an die Übungsmaschine für das Ansetzen des Melkgeschirrs. Hierbei war zu beachten, dass möglichst keine Luft vor dem Einsaugen der Euter-Zitze in den Vakuumkanal kommt. Dazu muss das Geschirr entsprechend mit einer Hand gehalten, und mit der anderen Hand der Reihe nach das Melkgeschirr angesetzt werden.

Die Arbeitsschritte sind wie folgt: Vormelken mit der Hand in den Vormelkbecher, um zu beurteilen, ob die Milch in Ordnung ist (keine Flocken, kein Blut, kein Eiter). Dann mit einem feuchten Tuch das Euter und die Zitzen vom eventuell vorhandenen Schmutz zu befreien (dient v.a. auch zur Stimulation; durch das Hormon Oxytocin wird Milchabgabe angeregt, d.h. die Kuh gibt ihre Milch besser her). Anschließend noch mit einem Einweg-Desinfektions-Tuch die Zitzen abreiben. Melkzeug ohne Lufteinbruch ansetzen. Jetzt nur noch schauen, dass das Melkzeug in der richtigen Position hängt und melkt(manchmal haut es die Kuh mit dem Fuß auch wieder ab). Danach das Euter und den Ausmelkgrad kontrollieren, das Vakuum unterbrechen und das Melkgeschirr abnehmen. Die Zitzen werden kontrolliert und desinfiziert/gepflegt (dippen).

Mit dieser kurzen Vorübung wurden wir am Abend sogleich zum melken an der echten Kuh geschickt. Das war ganz schön spannend……ca. 120 Kühe warteten um den Melkstand herum, dass sie bald drankommen. Es gab 2 Melkstände, den Fischgrät-(12×6 Kühe) und den Tandem-Melkstand (2×3 Kühe). Mein Favorit war der Tandem-Stand, weil ich zur Kuh dort besseren Kontakt hatte – ich konnte sie ganz sehen, und nicht, wie im Fischgrät-Stand, nur das Hinterteil…..denn die Kommunikation „Melker-Kuh“ ist nicht ganz unbedeutend, da auch, oder vor allem Kühe sehr sensibel sind!

Parallel hatten immer 3 Leute von uns Stalldienst; jeden traf es 1x in dieser Woche. Das war sehr interessant, weil man den ganzen Betrieb kennenlernte. Wir durften die Kälbchen füttern und den Laufstall ausmisten und einstreuen, solange die Kuhdamen beim Melken waren.

Programmablauf, Mitarbeiter, Lehrkräfte

Jeden Morgen um 05:15 und jeden Abend um 16:00 waren im Stall zum Melken. Da hat sich dann zum Schluß tatsächlich so etwas wie Routine im Arbeitsablauf eingestellt. Dazwischen war alles sehr terminiert mit Frühstücken, Theorie-und /oder Praxisunterricht, Mittagessen, wieder Unterricht, Abendessen. So gegen 21:/22:00 bin ich meistens todmüde in Bett gefallen.Unser Klassenlehrer und Schulleiter Carsten Antholz und auch Toni, der Stallmeister, waren immer sehr freundlich, gut gelaunt und hilfsbereit und geduldig mit uns (ebenso die Kühe!). Vor allem haben wir den Toni sehr ins Herz geschlossen, der 7 Tage die Woche bei seinen Kuhdamen verbringt und sich selten einen Tag freinehmen mag, weil er sagt, dass es ihm keiner mit seinen Kühen recht machen kann.

Vorträge von Älplern

Vortrag von Sabine & Lars
Dieses junge Pärchen ist schon zum dritten Mal auf einer Alp, 2x als Helfer, letztes und dieses Jahr bewältigen sie zu zweit die Alp Tesel in der Schweiz (obwohl diese eigentlich 2,5 Personen betreiben müssten). Die Desillusionierung einer Alm-Idylle beginnt schon nachdem sie uns ihren Tagesablauf erzählt haben…..Aufstehen um 03:30, Kühe melken, ausmisten, Schweine füttern, ausmisten, Sennerei/Kulturen vorbereiten, käsen, Kühe auf die Weide, Weidekontrolle, nachmittags Kühe suchen (kann bis zu 1 Std. dauern), einstallen, melken, füttern, Schweine füttern, misten, kranke Tiere behandeln. Dazwischen Frühstücken, Mittagessen, Abendessen, einzelne Wanderer bewirten, schlafen (sonst schafft man den Tag nicht). Und das alles natürlich auch an regnerischen, nebeligen, stürmischen und evtl. auch verschneiten Tagen. Keine Alm-Öhi-Romantik…..aber doch lieben sie es, immer wieder auf die Alm zu gehen!

Vortrag von Alfred Rothmayr
der seit ca. 50 Jahren Älpler ist. Er hat uns viel erzählt – wie er kranke Tiere homöopathisch behandelt, wie sensibel Kühe sind und wie er mit ihnen umgeht. Und er hat uns von seinen Erlebnissen aus seiner langen Almerfahrung berichtet. Sehr faszinierend!

Weitere Lerninhalte
• Tier- und Eutergesundheit
• Aufbau des Euters, Milchbildung
• Umgang mit Tieren, Körperbau der Milchkuh
• Verhalten von Rindern
• Alpwirtschaft im Allgäu
• Weidepflege
• Tierkrankheiten auf der Alp
• Verdauung und Fütterung beim Rind
• Gesetzliche Bestimmungen und Zucht in der Rinderhaltung
• Reinigung, Desinfektion und Aufbau der Melkanlage
• Eimermelken, Handmelken, Maschinenmelken, Melktechnik

Diese Woche war so interessant, und wir haben sehr viel gelernt; die Zeit ist leider viel zu schnell vergangen, da war ich schon traurig; aber ich bin froh, viele nette Menschen kennengelernt und weiterhin Kontakt zu haben! Es hat irrsinnig viel Spaß gemacht!

Ein herzliches Dankeschön an den Spitalhof und meine lieben Kurskollegen!

Ich habe ab dem 01.05. bis vermutlich 01.10.2016 eine Stelle in Südtirol vermittelt bekommen (www.bergbauernhilfe.it). Es ist keine Alm, sondern ein Bergbauernhof (Bergerhof, bei Salurn/Gfrill), die sich zu ca. 80% selbst versorgen. Genau das was ich brauche! Ich freu mich riesig!

Hier noch ein paar Adressen, wo man sich für Alm/Alp-Stellen bewerben kann:
Zalp, Schweiz
Almwirtschaftlicher Verein Oberbayern
Bergbauernhilfe Südtirol
Freiwillig am Bauernhof, Maschinenring Tirol
Alpwirtschaftlicher Verein Allgäu

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